Tagesthema vom 05.02.2012
Kälterekorde zweiter Art
Erneut ist heute, Sonntag früh, die deutschlandweit kälteste Nacht
dieses Winters zu vermelden.
Von den Rekordwerten der Tiefsttemperaturen des Februars sind die
Werte meist noch etwas entfernt, doch hat die letzte Nacht mit
Rekorden zweiter Art auf sich aufmerksam gemacht.
Etliche Stationen hatten vermutlich die kälteste Nacht seit
Messbeginn, ohne dass eine Schneedecke für die starke Kälte
mitverantwortlich war.
In Frankfurt beispielsweise geht man aus Erfahrung, nicht aufgrund
von Messwerten, ohne Schneedecke von Tiefstwerten nicht unter -13
Grad aus. Letzte Nacht sank das Quecksilber dort aber auf unter -15°
C. Auch etliche andere Gegenden, die ähnlich gelegen sind, haben
vermutlich diese Nacht den Rekord zweiter Art erlebt.
Absolute Tiefsttemperaturen gab es an einigen Stationen, die nicht
seit mindestens dem 01.02.1956 messen, dem Tag mit dem bisherigen
Februarrekord an den meisten Stationen. Beispielsweise in Perl an der
Mosel (Messungen seit 1965), wo der Tiefstwert von -14,9°C mit -16°C
deutlich unterboten wurde, auch Manderscheid in der Eifel (Messungen
seit 1961) hat mit -17,7°C die kälteste Nacht seit Messbeginn.
Das sind allerdings nur die Tiefstwerte, die heute um 7 Uhr gemeldet
wurden.
Warum "nur" werden Sie sich fragen?
Tiefstwerte werden etwa 1 Stunde nach Sonnenaufgang erreicht, weil
erst dann die Einstrahlung der Sonne die Kälte bringende Ausstrahlung
in das Weltall übersteigt.
Beim derzeitigen Sonnenaufgang liegen also die Tiefstwerte etwa
zwischen 8.30 Uhr im Osten und etwa 9 Uhr im Westen.
Deshalb melden unsere Wetterstationen die Tiefstwerte im Laufe des
Vormittags erneut und der bisherige Kälterekord dieses Winters, der
gestern mit -27,1 Grad für Oberstdorf verkündet wurde, lag in
Wirklichkeit bei -28,5 °C.
Und kalt geht es auch weiter, Dienstag früh erwarten wir im größten
Teil Deutschlands die kälteste Nacht der Woche.
Danach soll es langsam mit den Temperaturen bergauf gehen. Der
Dauerfrost wird sich allerdings halten.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.02.2012
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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach
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